Das europäische Agrarjournalist*innen-Netzwerk ENAJ hat mit den französischen Kolleg*innen eine Pressereise zum Sommet de l'élevage («Züchtergipfel») in Clermont-Ferrand organisiert. Bei der 34. Ausgabe wurden wegen Seuchenprävention erstmals keine Rinder ausgestellt, aber die ENAJ-Gruppe ging nicht nach Hause, ohne Kuhfell berührt zu haben.
Text und Fotos: Adrian Krebs
Der Sommet de l’élevage begann 1992 bescheiden mit 133 Ständen und 9000 Besuchern. Diese Zahlen haben sich stark entwickelt: Die Ausgabe 2025 hatte fast 1800 Aussteller und zog rund über 100'000 Besucher aus aller Welt an.
Journalisten aus acht Ländern anwesend
Um diesen Höhepunkt im Messejahr noch stärker international zu öffnen, haben ENAJ und die französische Agrarjournalistenvereinigung AFJA eine Low-Budget-Pressereise in die Hauptstadt der Auvergne organisiert. Neben einem Tag auf der Messe standen interessante Besuche bei Unternehmen, Forschungseinrichtungen und landwirtschaftlichen Betrieben auf dem Programm.
Am späten Sonntagnachmittag versammelte sich eine Gruppe von 15 Journalist*innen aus Österreich, Belgien, Finnland, Frankreich, Norwegen, Slowenien, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich in der malerischen Altstadt von Clermont-Ferrand, um in einer typischen Brasserie einen ersten Eindruck von der opulenten französischen Küche zu gewinnen.
Vorhersagemodell für den Klimawandel
Der Montag brachte ein dichtes Programm, das auf der Domaine de Mons in Aubiat begann, wo der grosse Saatgutproduzent Limagrain – einer unserer Sponsoren – einen Versuchsbetrieb unterhält. Das Anbausystem Matrix, das wir im schönen Morgenlicht besichtigten, ist eine 2022 ins Leben gerufene 12-jährige Versuchsplattform, auf der das Unternehmen das Wachstum verschiedener Sorten von Mais, Getreide und anderen Kulturen im Langzeitvergleich mit und ohne Zwischenfrucht vergleicht.
Nach der Begrüssung durch den CEO der Gruppe, Sébastien Chauffaut, stellten die Forscher von Limagrain im Forschungszentrum in Chappes Instrumente vor, mit denen die Situation der Landwirte unter dem wachsenden Druck des Klimawandels verbessert werden soll: das Vorhersagemodell Geo Star für das Klima der nächsten Jahre, trockenheitstolerante Sorten und die Reduzierung der Methanemissionen durch Pflanzensorten, die zu einer höheren Futterverwertung und einem besseren Pansenkomfort beitragen.
«Der Klimawandel ist eine Tatsache»
Am Nachmittag wurden wir zu einem Besuch bei INRAE eingeladen, dem grossen öffentlichen Forschungsinstitut, das sich in Frankreich «für eine kohärente und nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft, der Ernährung und der Umwelt» einsetzt. INRAE hat 14 Abteilungen und 18 Forschungszentren mit insgesamt über 12'000 Mitarbeitenden.
Wir besuchten die Zentren von Cruël und Theix in der Nähe von Clermont-Ferrand, wo der Schwerpunkt auf der Anpassung an den Klimawandel liegt. «Der Klimawandel ist eine Tatsache», erklärte Jerôme Salse, Leiter der Forschungseinheit, in seiner Begrüssungsrede. Es gibt drei Hauptforschungsbereiche:
- Genetische Verbesserung von Tieren und Pflanzen
- Hybridanbau mit Mischkulturen
- Agroforstwirtschaft
Unter anderem sahen wir die riesige Getreidesaatgutbank, die Experimente zur Getreide-Phänotypisierung und einige Projekte zur nachhaltigen Tierhaltung.
Höhepunkt des Abends war die Messe-Eröffnungsfeier im prunkvollen Rathaus. Zu den Rednern gehörten Olivier Bianchi, der Bürgermeister von Clermont-Ferrand, und Ahmed el Bouari, der Landwirtschaftsminister des Gastlandes Marokko, gefolgt von einem Walking Buffet mit Spezialitäten aus der Region, Aufschnitt, interessanten Käsesorten und warmen Wraps.
Gut gesättigt fuhren wir weiter nach Vichy, wo wir während der Messetage unser Quartier hatten, da es fast unmöglich ist, während des Sommets ein Hotelzimmer in der Gastgeberstadt zu bekommen.
Messe ohne Kühe, aber dennoch interessant
Dienstag war Messetag. Wir begannen unser Gipfelerlebnis mit einer Führung und hatten den Tag danach zur freien Verfügung. Die Messe ist riesig, obwohl es in diesem Jahr einige grosse Leerstellen in den Hallen für Milch- und Fleischrinder gab, in denen normalerweise 2000 Tiere zu sehen sind. Aufgrund einiger Fälle von Lumpy-Skin-Disease in anderen Regionen des Landes beschlossen die Organisatoren, als «vorbeugende und vorsorgliche Massnahme» keine Kühe und Bullen auszustellen. Die Tierpräsentationen beschränkten sich auf Schafe, Ziegen und Pferde.
Trotzdem war der Besuch lohnenswert. Angefangen bei den Tieren gab es eine beeindruckende Ausstellung der sehr vielfältigen französischen Schaf-, Ziegen- und Pferderassen. In den beiden Haupthallen fanden die Besucher*innen Hunderte der wichtigsten Unternehmen und Institutionen der französischen Landwirtschaft, während man auf dem weitläufigen Freigelände der Messe einen hervorragenden Überblick über den Maschinenbereich von Traktoren bis hin zu Forstmaschinen aller Grössenordnungen gewinnen konnte. Es gab auch einige autonome Werkzeuge, aber es sind uns keine aufsehenerregende Innovationen aufgefallen.
Profitable Käseproduktion auf dem Bauernhof
Der letzte Tag war drei interessanten Besuchen auf Bauernhöfen gewidmet. Wir begannen bei der GAEC (französisch für einen gemeinschaftlich geführten Betrieb) der Brüder Jeremie und Christian Bellini. Sie betreiben einen kombinierten Milch- und Fleischviehbetrieb auf 210 Hektaren. Jeremie ist für die 80 Montbéliarde-Kühe mit einer durchschnittlichen Produktion von 6500 Kilo Milch pro Jahr verantwortlich. Sein Bruder Christian bewirtschaftet die 60 Charolais-Mutterkühe, während Schwester Fabienne auf dem Hof Käse und andere Milchprodukte herstellt.
Der Betrieb produziert insgesamt rund 550'000 Kilogramm pro Jahr, 150'000 Kilogramm werden auf dem Hof verarbeitet, der Rest geht derzeit für 48 Cent in die Milchindustrie. Der Erlös für auf dem Hof verarbeitete Milch beträgt hingegen beeindruckende 1,5 Euro. https://gaecfontsainthuile.fr/
Produktion von Bisons für den Direktverkauf
Der zweite besuchte Betrieb war «Bisons d'Auvergne» von Matthieu Peron. Er und seine Frau Christel sind beide Agronomen und kauften vor etwa 13 Jahren den 230 Hektar grossen Betrieb, auf der Suche nach einer Spezialisierung mit hoher Wertschöpfung und der Möglichkeit des Direktverkaufs. Die Herde umfasst insgesamt 400 Tiere.
Peron investiert derzeit in einen Schlachthof für die 80 Bisons, die er im Durchschnitt pro Jahr verkauft (90 Prozent Direktverkauf an Privatkunden über einen eigenen Laden und 10 Prozent an Restaurants). Es stellte sich als sehr schwierig heraus, einen Schlachthof zu finden, der bereit ist, Büffel zu verarbeiten. Derzeit muss er 250 km zu einer Metzgerei in Bourg-en-Bresse in Burgund fahren. Für diese Schwierigkeit gibt es verschiedene Gründe, unter anderem, dass Büffel ziemlich gefährliche Tiere sind, wie Peron sagte. Daher sei es sehr wichtig, die richtigen Vorsichtsmassnahmen zu treffen. Bislang habe er noch nie einen Unfall beim Umgang mit den Tieren gehabt, sagte der Landwirt. https://bisons-auvergne.fr/
Dominante Charolais in der Region Auvergne
Leider habe ich den dritten Besuch auf einem Charolais-Bauernhof in Chavenon aufgrund von Reisevorbereitungen verpasst. Der Betrieb hat eine Fläche von 180 Hektar und gehört Stéphane Berthomier, der etwa 100 Charolais-Mutterkühe hält und Zuchttiere verkauft. Die Tiere werden an lokale Metzgereien verkauft. Charolais sind die vorherrschende Rinderrasse in der Region Auvergne. Rindviehzucht für Fleisch oder Milch sind hier die dominanten Betriebsformen, da ein grosser Teil der landwirtschaftlichen Fläche aus coupiertem Dauergrünland besteht. Kein Wunder deshalb, dass Clermont-Ferrand zum Sitz der Sommet de l'élevage wurde.
Vielen Dank an die Organisatorinnen von AFJA, der französischen Vereinigung der Agrarjournalisten, für die Organisation dieser interessanten Reise und besonderen Dank an Yanne Boloh, die Vorsitzende der ENAJ, die die Hauptorganisatorin und Zeremonienmeisterin war!










