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Biertreber statt Abfall: Wie Upgrain und die Brauerei Locher die Lebensmittelwelt neu denken

Ab nach Appenzell in die Ostschweiz zu unserem Neujahresapéro! Auf dem Programm stand: die Besichtigung der Brauerei Locher und des Foodtech-Startups Upgrain.

 

Von Kirsten Müller

 

Upgrain, gegründet von Vincent Vida und William Beiskjaer, entwickelt ein innovatives Upcycling-Verfahren, bei dem das Nebenprodukt Treber aus der Bierproduktion zu hochwertigen Lebensmitteln verarbeitet wird. Die Brauerei Locher mit rund 200 Mitarbeitenden startete 2022 die Zusammenarbeit mit dem Startup – und gemeinsam entstand Europas grösste Food-Upcycling-Anlage. Uns hat der Mut und die Ausdauer der beiden Pioniere enorm beeindruckt.

 

Brauerei-CEO Aurèle Meyer erklärte uns die Philosophie von Locher: Eine spannende Mischung aus traditionellem Brauhandwerk, modernem Unternehmertum und innovativen Produkten. Die Partnerschaft mit Upgrain zeigt, wie Startup-Dynamik und langjährige Erfahrung fruchtbar zusammenwirken. In beiden Unternehmen steckt die gleiche DNA: neue Wege gehen, Ressourcen im Kreislauf halten und nachhaltige Lebensmittelproduktion vorantreiben.

 

Tradition trifft Food-Tech

Upgrain und die Brauerei Locher zeigen in Appenzell exemplarisch, wie aus einem klassischen Nebenprodukt der Bierproduktion eine innovative, zirkuläre Wertschöpfungskette entstehen kann. Das Food-Tech-Startup Upgrain, 2021 von Vincent Vida und William Beiskjaer gegründet, entwickelt eine Technologie, mit der Biertreber – bisher vor allem als Tierfutter genutzt – zu hochwertigen Protein- und Ballaststoffzutaten für die Lebensmittelindustrie verarbeitet wird. In enger Partnerschaft mit der traditionsreichen Brauerei Locher, die seit 1886 in Familienhand ist, wurde dazu direkt auf dem Brauereiareal Europas grösste Food-Upcycling-Anlage aufgebaut.

 

Aus Treber werden Hightech-Zutaten

Die Anlage kann rund 25'000 Tonnen Biertreber pro Jahr verarbeiten und macht Locher zur ersten Brauerei, die ihren Treber praktisch vollständig als Lebensmittelrohstoff nutzbar macht, statt ihn als Abfall zu behandeln. Aus dem Treber entstehen drei Hauptprodukte: Upgrain Classic als Mehlersatz mit hohem Protein- und Ballaststoffgehalt, Upgrain Protein als konzentriertes Gerstenprotein sowie Upgrain Fiber als funktioneller Ballaststoff für Textur und Frischhaltung – alle speziell für den Einsatz in Brot, Snacks, Fleischalternativen und anderen verarbeiteten Lebensmitteln entwickelt. Lokale Partner wie die Bäckerei Böhli setzen die Zutaten bereits in High-Protein-Broten und weiteren Backwaren ein, wodurch die Wertschöpfung in der Region bleibt und Konsumentinnen und Konsumenten konkrete Produkte dieser Innovation erleben.

 

Klimaschutz im Braukessel

Ökologisch ist der Ansatz ebenfalls stark: Durch die Nutzung des Trebers als Lebensmittel statt als Futter oder Energieträger werden laut Upgrain pro Kilogramm Produkt mehr als ein Kilogramm CO₂ sowie erhebliche Mengen Ackerfläche und Wasser eingespart. Allein bei der Brauerei Locher lassen sich so jährlich über 5'500 Tonnen CO₂ vermeiden. Dieses Zusammenspiel von Tradition und Innovation hat dem Startup mehrere Preise eingebracht, darunter den Swiss Sustainability Impact Award 2025 und den Startfeld Diamant 2025, die seine Rolle als Vorreiter im Bereich Food-Upcycling und Kreislaufwirtschaft unterstreichen. Für uns Agrarjournalisten sind die Wertschöpfungskette unserer Nahrungsmittel ebenso wichtig wie die Urproduktion.

 

Ein informativer spannender Nachmittag mit Bierprobe, Pizza und «Tschipps» aus Bestandteilen von Upgrain.