Von Kirsten Müller anlässlich des IFAJ Executive Meeting in Brasilien
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Brasilien hat sich in wenigen Jahrzehnten vom Nettoimporteur zum globalen Agrar-Schwergewicht entwickelt – die Woche rund um São Carlos (São Carlos liegt zentral im Bundesstaat São Paulo etwa 230 km von der Stadt São Paulo entfernt) zeigte eindrücklich, wie unterschiedlich und zugleich hochprofessionell diese Landwirtschaft heute funktioniert.
Executive Meeting IFAJ
Anlass der Reise war das halbjährliche Executive Meeting des internationalen Agrarjournalisten-Verbandes (IFAJ), an dem jedes Land mit einer Person im Vorstand vertreten ist – für die Schweiz ist dies Kirsten Müller.
Nach einem kurzen Stopp in São Paulo führte die Arbeitswoche nach São Carlos im Hinterland, Ausgangspunkt für fünf Tage Exkursionen in eine vielfältige, manchmal kleinstrukturierte Agrarregion mit Zuckerrohr, Soja, Mais, Rindern, Orangen und Kaffee.
Die brasilianischen Gastgeber – koordiniert von Daniel Azevedo Duarte, Vize-Präsident des brasilianischen Verbandes und seinem Team von Agrojor – nutzten die Gelegenheit, verbreitete Vorurteile zu adressieren und die Logik eines der intensivsten Agrobusiness-Modelle der Welt zu erklären. Man kann sagen, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort aus europäischer Sicht.
Brasiliens Aufstieg zur Agrarmacht
In den 1970er-Jahren war Brasilien noch Nahrungsmittelimporteur, heute zählt es zu den wichtigsten Exporteuren von Soja, Rindfleisch, Kaffee und Zucker weltweit – ermöglicht durch technologische Innovation, Flächenausdehnung und globale Nachfrage. Zentrale Rolle spielt Embrapa, die staatliche Agrarforschungsorganisation, die tropentaugliche Sorten, Direktsaat-Systeme und Mehrfruchtfolgen entwickelt hat und damit mehrere Ernten pro Jahr in tropischen Regionen ermöglicht.
Politisch und gesellschaftlich steht Brasilien stark im Fokus – etwa im Kontext des Mercosur-Abkommens –, zugleich arbeitet die Forschung an Zielen wie «Null illegale Entwaldung bis 2028» und an klimafitten, ressourceneffizienten Produktionssystemen.
Von allen interessanten Betrieben im Folgenden zwei kurz vorgestellt.
Betrieb 1: Ackerbaubetrieb Fazenda Estância
Die Fazenda Estância ist ein Ackerbaubetrieb mit rund 1’200 ha, geführt von den Schwestern Nathália und Aline Vick, die den Generationswechsel mit einer klar technologischen und unternehmerischen Handschrift prägen.
Die Umstellung auf Direktsaat, was familienintern kontrovers diskutiert wurde, ist jetzt betrieblicher Standard und erlaubt in Kombination mit Gentechniksorten und Bewässerung Ertragssteigerungen, verbesserte Bodenschonung und die Perspektive von bis zu vier Ernten pro Jahr (z. B. Soja, Mais, Sorghum, Feldfutter).
Angebaut werden Sojabohnen, Mais, Sorghum und Maniok; der Fokus liegt auf hoher Flächenleistung, stabilen Erträgen und zugleich einer effizienteren Nutzung von Wasser, Nährstoffen und Boden.
Ein zentrales Thema im Betrieb war die Logistik: Kernlösung ist ein neues Lager mit 15’000 Tonnen Kapazität, das nicht nur den eigenen Betrieb, sondern inzwischen über 100 umliegende Betriebe bedient und dreimal jährlich komplett umgeschlagen wird. So wird der Engpass zwischen Feld und Markt entschärft: Transportwege werden gebündelt, Wartezeiten reduziert, und die Vermarktung wird planbarer – ein kritischer Faktor in einer Region mit grossen Distanzen.
Und übrigens: Vor dem Betreten der Felder musste die Gruppe einen Schutz an die Beine anlegen und geschlossene Schuhe waren Pflicht. Warum? Wegen der allgegenwärtigen Gefahr von Schlangenbissen.
Betrieb 2: Zierpflanzenbetrieb Joost Kalanchoe
In Holambra, dem historischen Zentrum des niederländisch geprägten Zierpflanzenbaus in Brasilien, produziert der Familienbetrieb «Joost Kalanchoe» Kalanchoe auf Spitzenniveau. Gründer Joost van Oene kam in den 1980er-Jahren als Backpacker nach Brasilien und baute den Betrieb schrittweise zu einem hochmodernen, automatisierten Spezialisten aus.
Auf 8 ha Gewächshausfläche produzieren sie rund 8 Mio. Kalanchoe-Pflanzen pro Jahr. Der Ausbau auf 13 ha, denn Joost managt, ist bereits in der Umsetzung. Tochter Simone van Oene verantwortet Marketing, Vertrieb und internationale Märkte und ist damit Schnittstelle zu Handel, Export und Kundenkommunikation. Ihr Bruder Ariel van Oene steuert die Produktion, von Kulturführung über Technik bis zur Personalplanung.
Als grösste Herausforderung beschreibt Simone nicht die Pflanze, sondern den Menschen: Teams zu führen, zu motivieren und weiterzuentwickeln – ein Hinweis darauf, dass in der modernen Landwirtschaft sich nicht alles automatisieren lässt.
Herzstück des Betriebes sind Smart-Flow- bzw. SmartFlow-Fördersysteme: Die Pflanzen bewegen sich auf bis zu 13 Kilometern Förderband täglich durch die Gewächshäuser, was Arbeitswege minimiert, Prozesse standardisiert und Fehler reduziert. Dank dieser Automatisierung kommen nur rund 16 Mitarbeitende aus – ein für die Betriebsgrösse ungewöhnlich niedriger Personalbedarf, der zeigt, welche Hebel Mechanisierung in arbeitsintensiven Kulturen bietet.
Wassereinsatz streng kontrolliert
Der Betrieb arbeitet mit einem geschlossenen Wasserkreislauf, nutzt überwiegend Regenwasser und minimiert damit Frischwasserentnahme und Nährstoffverluste.
Die Entnahme von Grundwasser ist streng reguliert; im Winter erfolgen tägliche Kontrollen durch Behörden – für die Produzenten bedeutet dies hohe Transparenzpflicht, während private Haushalte weniger stark kontrolliert werden, wie Simone van Oene kritisch anmerkt: «In den Städten wird nicht nachgefragt, wie lange die Leute unter der Dusche stehen.»
Fühlen sich teils unfair wahgenommen
Die News, die uns erreichen, geben nicht die Professionalität und das professionelle Gedankengut der brasilianischen Betriebsleiter wieder. Die Betriebe müssen beispielsweise 20 % ihres Landes ohne finanziellen Ausgleich stilllegen – in Gebieten rund um das Amazonas Gebiet noch wesentlich mehr. Die Menschen nehmen sehr wohl war, was und wie über ihre Landwirtschaft diskutiert wird und empfinden es stellenweise als unfair.
Allerdings muss man auch sagen, dass die Kontrollen in so einem grossen Land schwierig sind und Brasilien im internationalen Vergleich beim Thema Korruption schwach abschneidet. Im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International erreicht das Land rund 35 von 100 Punkten und liegt damit im unteren Mittelfeld. Für Unternehmen und Investoren bedeutet das erhöhte Risiken sowie höhere Anforderungen an Compliance, Kontrolle und Transparenz.
Kirsten Müller war für das IFAJ Executive Meeting vor Ort
Le Brésil : l'un des principaux pays exportateurs de produits agricoles
En quelques décennies, le Brésil est passé du statut d'importateur net à celui de poids lourd mondial de l'agriculture. La semaine passée dans la région de São Carlos (située au centre de l'État de São Paulo, à environ 230 km de la ville de São Paulo) a clairement montré à quel point cette agriculture est aujourd'hui diversifiée et, en même temps, hautement professionnelle.
Réunion exécutive de l’IFAJ
Ce voyage avait pour but la réunion semestrielle du comité exécutif de l’Association internationale des journalistes agricoles (IFAJ), au sein duquel chaque pays est représenté par un membre – pour la Suisse, il s’agit de Kirsten Müller.
Après une brève escale à São Paulo, la semaine de travail s’est poursuivie à São Carlos, dans l’arrière-pays, point de départ de cinq jours d’excursions dans une région agricole diversifiée, parfois à petite échelle, où l’on trouve de la canne à sucre, du soja, du maïs, du bétail, des oranges et du café.
Les hôtes brésiliens – coordonnés par Daniel Azevedo Duarte, vice-président de l’association brésilienne, et son équipe d’Agrojor – ont saisi l’occasion pour tordre le cou à certains préjugés courants et expliquer la logique de l’un des modèles d’agro-industrie les plus intensifs au monde. On peut dire que, du point de vue européen, c’était le bon moment au bon endroit.
L'ascension du Brésil en tant que puissance agricole
Dans les années 1970, le Brésil était encore importateur de denrées alimentaires ; aujourd'hui, il compte parmi les principaux exportateurs mondiaux de soja, de viande bovine, de café et de sucre – grâce à l'innovation technologique, à l'extension des surfaces cultivées et à la demande mondiale. L’Embrapa, l’organisme public de recherche agricole, joue un rôle central : elle a développé des variétés adaptées aux climats tropicaux, des systèmes de semis direct et des rotations multiculturelles, permettant ainsi plusieurs récoltes par an dans les régions tropicales.
Sur le plan politique et social, le Brésil est au centre de l’attention – notamment dans le contexte de l’accord du Mercosur –, tandis que la recherche travaille sur des objectifs tels que « zéro déforestation illégale d’ici 2028 » et sur des systèmes de production adaptés au climat et économes en ressources.
Parmi toutes les exploitations intéressantes, en voici deux brièvement présentées ci-dessous.
Exploitation 1 : exploitation agricole Fazenda Estância
La Fazenda Estância est une exploitation agricole d’environ 1 200 ha, dirigée par les sœurs Nathália et Aline Vick, qui marquent la transition générationnelle d’une empreinte clairement technologique et entrepreneuriale.
Le passage au semis direct, qui a fait l’objet de discussions controversées au sein de la famille, est désormais la norme dans l’exploitation et permet, en combinaison avec des variétés génétiquement modifiées et l’irrigation, d’augmenter les rendements, de mieux préserver les sols et d’envisager jusqu’à quatre récoltes par an (par exemple, soja, maïs, sorgho, fourrage).
On y cultive du soja, du maïs, du sorgho et du manioc ; l'accent est mis sur un rendement à l'hectare élevé, des rendements stables et, parallèlement, une utilisation plus efficace de l'eau, des nutriments et du sol.
La logistique était un enjeu central pour l’exploitation : la solution principale est un nouvel entrepôt d’une capacité de 15 000 tonnes, qui dessert non seulement l’exploitation elle-même, mais aussi plus de 100 exploitations environnantes, et dont le contenu est entièrement renouvelé trois fois par an. Cela permet de réduire le goulot d’étranglement entre les champs et le marché : les trajets de transport sont regroupés, les temps d’attente réduits et la commercialisation devient plus prévisible – un facteur crucial dans une région où les distances sont importantes.
À noter d’ailleurs : avant de pénétrer dans les champs, le groupe a dû enfiler des protections pour les jambes et le port de chaussures fermées était obligatoire. Pourquoi ? En raison du danger omniprésent de morsures de serpents.
Exploitation n° 2 : l'exploitation de plantes ornementales Joost Kalanchoe
À Holambra, centre historique de la culture des plantes ornementales d'inspiration néerlandaise au Brésil, l'entreprise familiale « Joost Kalanchoe » produit des Kalanchoés de très haute qualité. Son fondateur, Joost van Oene, est arrivé au Brésil dans les années 1980 en tant que routard et a progressivement développé l'entreprise pour en faire un spécialiste ultramoderne et automatisé.
Sur 8 hectares de serres, ils produisent environ 8 millions de plants de Kalanchoe par an. L’extension à 13 hectares, que Joost gère, est déjà en cours de réalisation. Sa fille Simone van Oene est responsable du marketing, des ventes et des marchés internationaux ; elle assure ainsi la liaison avec le commerce, l’exportation et la communication avec les clients. Son frère Ariel van Oene dirige la production, de la gestion des cultures à la planification du personnel en passant par les aspects techniques.
Pour Simone, le plus grand défi n’est pas la plante, mais l’humain : diriger, motiver et faire évoluer les équipes – ce qui montre bien que tout ne peut pas être automatisé dans l’agriculture moderne.
Au cœur de l’exploitation se trouvent les systèmes de convoyage Smart-Flow ou SmartFlow : les plantes parcourent quotidiennement jusqu’à 13 kilomètres sur des tapis roulants à travers les serres, ce qui minimise les déplacements, standardise les processus et réduit les erreurs. Grâce à cette automatisation, l’exploitation ne nécessite qu’une quinzaine de collaborateurs – un effectif inhabituellement faible pour une exploitation de cette taille, qui montre l’impact de la mécanisation dans les cultures à forte intensité de main-d’œuvre.
Une utilisation de l'eau strictement contrôlée
L'exploitation fonctionne avec un circuit d'eau fermé, utilise principalement de l'eau de pluie et réduit ainsi au minimum le prélèvement d'eau douce et les pertes de nutriments.
Le prélèvement d'eau souterraine est strictement réglementé ; en hiver, les autorités effectuent des contrôles quotidiens – pour les producteurs, cela implique une obligation de transparence élevée, tandis que les ménages privés sont moins contrôlés, comme le fait remarquer Simone van Oene d'un ton critique : « Dans les villes, on ne demande pas aux gens combien de temps ils passent sous la douche. »
Se sentent parfois traités injustement
Les informations qui nous parviennent ne reflètent pas le professionnalisme et la vision professionnelle des exploitants agricoles brésiliens. Les exploitations doivent par exemple mettre en jachère 20 % de leurs terres sans compensation financière – et bien plus encore dans les régions proches de l’Amazonie. Les gens sont très conscients de ce qui se dit sur leur agriculture et de la manière dont on en parle, et trouvent parfois cela injuste.
Il faut toutefois reconnaître que les contrôles sont difficiles à mettre en place dans un pays aussi vaste et que le Brésil obtient de mauvais résultats en matière de corruption en comparaison internationale. Dans l’indice de perception de la corruption de Transparency International, le pays obtient environ 35 points sur 100, ce qui le place dans la partie inférieure du classement. Pour les entreprises et les investisseurs, cela signifie des risques accrus ainsi que des exigences plus élevées en matière de conformité, de contrôle et de transparence.
Traduit avec deepl.com



















