Dieses Treffen findet nur alle 10 Jahre statt. Obwohl Deutschland, Österreich und die Schweiz Nachbarländer sind, unterscheiden sich die Strukturen der Landwirtschaft im Detail deutlich. Das zeigte sich bereits bei der agrarpolitischen Diskussion.
Text und Fotos: Kirsten Müller
Mit dabei waren Marion Gentges (CDU), seit Mai 2026 Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat in Baden-Württemberg, Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Günther Felßner, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes, Christian Müller, Präsident des Schaffhauser Bauernverbandes, sowie Thomas Meier vom Bundesamt für Landwirtschaft. Diskutiert wurde über Wettbewerbsfähigkeit und die Zukunft der Landwirtschaft.
«Wir müssen uns unerpressbar machen und uns so gut wie möglich selbst versorgen», sagte Günther Felßner.
Für Josef Moosbrugger bilden die Bauernfamilien das Fundament der Gesellschaft. Österreich weist den höchsten Junglandwirteanteil Europas auf. 36 Prozent der Betriebe werden von Frauen geführt.
Christian Müller positionierte sich klar gegen einen EU-Beitritt der Schweiz. „Die Schweiz ist ein Hochpreisland. Man könnte auch sagen: Wir sind eine geschützte Insel in Europa. Und ich denke, wir sind schützenswert. Wir sind keine Freunde der EU. Die EU ist zu gross und zu schwerfällig.“
Marion Gentges machte keinen Hehl daraus, dass viele Betriebe wirtschaftlich unter Druck stehen. Gleichzeitig verfüge die Landwirtschaft über grosse Stärken. Aufgabe der Politik sei es, diese zu unterstützen und verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen.
Kreislaufwirtschaft aus Überzeugung
Familie Lingenhel präsentierte uns ihren Demeter-Betrieb im vorarlbergischen Doren. 23 Kühe auf 23 Hektaren. Dazu ein liebevoll gestalteter Hofladen.
Schon bei der Jause mit hofeigenen und regionalen Produkten wird klar: Hier wird Kreislaufwirtschaft gelebt. Die Nähe zur Natur ist spürbar. Es ist ein Ort, nach dem man sich sehnt. Einer, an dem alles irgendwie heilsam erscheint.
Dass dahinter viel Arbeit steckt, merkt man der Familie kaum an.
Tochter Laura übernahm den Betrieb vor zwei Jahren im Alter von 26 Jahren. Auf die Frage, wer den Betrieb bewirtschafte, die Lebensmittel produziere und die Veranstaltungen organisiere, kommt die Antwort ohne Zögern: „Die drei, die vor dir stehen.“ Chapeau.
Agathe, die Mutter und gelernte Damenschneiderin, backt frühmorgens Brot. Karl kümmert sich um die Tiere, die muttergebunden aufgezogen werden. Die Original-Braunvieh-Kühe mit Hörnern bewegen sich frei im Stall.
«Alles begann mit der Schnäpsleproduktion», erzählt Karl mit leiser Stimme. Überschüssiges Obst wollte verarbeitet werden. Jahr für Jahr kamen neue Produkte dazu. Joghurt, Käse, Sirup, Konfitüre und vieles mehr. Für ihre Philosophie, ihr Engagement und ihre Produkte erhielt die Familie zahlreiche Auszeichnungen. Der Höhepunkt war der Ceres Award als Biobetrieb des Jahres.
Agathes Wissensdurst scheint nie gesättigt. Man möchte die Natur noch intensiver spüren, sagt sie. Aus diesem Drang heraus entwickelte sich der Betrieb stetig weiter. Heute gehören auch Schule auf dem Bauernhof, Kommunionen, Geburtstage und andere Anlässe dazu, die in den wohlfühligen, aus Holz gezimmerten Haus gefeiert werden.
Schweizer Tag in Thayngen
Christian Müller führt gemeinsam mit seiner Frau Andrea den Betrieb auf der Unterbuck in Thayngen (Kanton Schaffhausen). Jährlich mästet er 420 Munis. Bewirtschaftet werden 100 Hektaren mit Kartoffeln, Getreide und Zwiebeln. Die Kälber kauft er in Gruppen von rund 30 Tieren zu. Viermal pro Jahr werden sie gewogen. So behält er die täglichen Zunahmen im Blick. Diese liegen bei durchschnittlich 1300 bis 1400 Gramm. Das Futter stammt vom eigenen Betrieb. Die Müllers produzieren zudem Energie. Biogas, Photovoltaik und ein Wärmeverbund mit Holzschnitzelheizung gehören zum Betriebskonzept.
Weinbau zwischen Herausforderungen und neuen Ideen
Die GVS steht vor Herausforderungen. Der Weinabsatz sinkt. Deshalb wurde beschlossen, das Sortiment von 60 auf 30 Sorten zu reduzieren. Weniger Wein bedeutet letztlich auch weniger Produktionsfläche.
Raphael Hübscher hingegen ist erst vor wenigen Jahren in den Weinbau eingestiegen. Vor nicht einmal zehn Jahren erhielt er die Möglichkeit, 4,7 Hektaren Reben am nördlichsten Rebberg der Schweiz zu übernehmen. Die Herausforderung reizte ihn.
Unter dem grossen Nussbaum im Innenhof verkosteten wir Weinsuppe und Wein. Beides stammt aus seiner Hand. Verkauft wird ausschliesslich in Halbliterflaschen. Direkt im Getränkemarkt Thayngen. Hübscher arbeitet eng mit dem Regionalen Naturpark Schaffhausen zusammen. Unter dem Motto «Genuss auf dem Reiatweg» können Wanderer seine Weine degustieren.
In dieser sommerlichen Atmosphäre stellte Marianne Stamm ihr Buch «Erdbeeren im Heu» vor. Darin erzählt sie ihre eigene Auswanderungsgeschichte nach Kanada. Besonders berührend war die Passage, in der sie schildert, wie sie als fünfjähriges Mädchen mit ihren Eltern und drei Schwestern erstmals kanadischen Boden betrat. Unter dem Nussbaum wurde es mucksmäuschenstill. Ein besonderer Moment.
Landwirtschaft, Tourismus und Direktvermarktung
Anschliessend ging es zurück nach Deutschland zum Hofgut Schleinsee in Kressbronn. Die Lage ist idyllisch. Der Betrieb liegt auf einer Anhöhe. Zu seinen Füssen ein kleiner See. Das Hofgut ist vielseitig aufgestellt. 60 Kühe werden von einem Melkroboter gemolken. Mit durchschnittlich 14'000 Kilogramm Milch pro Kuh erreichen sie beachtliche Leistungen. Auch das Einstreuen erfolgt automatisiert.
«Bei knappen Arbeitskräften müssen wir genau überlegen, wo wir sie einsetzen“» erklärt Betriebsleiter Marc Gührer.
Zum Betrieb gehören zehn Ferienwohnungen. Sie richten sich vor allem an Familien mit Kindern. Der jüngste Entwicklungsschritt war der Bau eines Hofcafés. Ein drittes Standbein, das in einer Schwester GbR geführt wird von Verena Gührer und ihrer Schwester.
Marc und Verena führen den Betrieb mit grosser Leidenschaft. Gleichzeitig beschäftigen sie die Diskussionen und Entscheidungen der Gemeinde. «Oft sind sie unlogisch und schwer nachvollziehbar – gerade bei Bauvorhaben, sagt Marc im Gespräch mit Ministerin Gentges. Bauen im Aussenbereich bleibt eine Herausforderung.
Das Dreiländertreffen zeigte ganz unterschiedliche Betriebe und Produktionssysteme. Die Kulturen sind sich ähnlich und unterscheiden sich doch in vielen Details. Es waren Tage voller spannender Einblicke, kulinarischer Highlights und erfrischender Gespräche.










