Gerne blicke ich mit euch auf das Verbandsjahr zurück. Es war ein Jahr mit vielen anregenden Begegnungen, mit spannenden Einblicken in Betriebe und Unternehmen national und international und mit wichtigen Fragen dazu, wie wir unseren Beruf und unseren Verband in herausfordernden Zeiten weiterentwickeln wollen. Aus diesen Diskussionen heraus haben wir uns entschieden, unser Logo und auch unser Angebot auf den Prüfstand zu stellen sowie die Vernetzung zu forcieren.
Verbandsleben und Anlässe
Besonders gefreut hat mich, dass wir unser Verbandsleben weiterhin mit Leben füllen konnten. Im September 2025 traf sich der Vorstand in Bern in den Räumlichkeiten des «Schweizer Bauer» zu einer Sitzung; anschliessend haben wir den Abend gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen des LID bei einem Feierabendbier ausklingen lassen. Solche Momente sind mehr als formale Sitzungen – sie stärken das Vertrauen, lassen Ideen wachsen und halten den Zusammenhalt im SAJ lebendig.
Im Oktober konnten wir einen spannenden Einblick in den Hof zAlpenblick erfahren.
Ein Höhepunkt zum Start ins neue Jahr war unser Neujahrsapéro Ende Januar 2026 in Appenzell. Die Besichtigung der Brauerei Locher und des Start-ups Upgrain hat uns gezeigt, wie Innovation, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft heute zusammenspielen können. Biertreber, der früher als Abfall galt, wird hier zur Ressource; genau solche Geschichten machen deutlich, wie breit das Feld geworden ist, über das wir als Agrarjournalistinnen und Agrarjournalisten berichten.
Im Januar waren SAJ-Mitglieder zudem an der Grünen Woche in Berlin unterwegs. Dort nutzten wir die Gelegenheit zum Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus Österreich und Deutschland über das kommende Dreiländertreffen. Dieser Blick über die Grenze zeigt immer wieder: Viele Themen – von Strukturwandel über die Ernährungspolitik bis zur Rolle der Medien – ähneln sich in unseren Ländern stark, und wir können voneinander lernen.
Im April führte uns eine Exkursion auf den Hof Horn in Hauenstein-Ifenthal. Der Betrieb steht sinnbildlich dafür, wie viel Fachwissen, Ausdauer und Leidenschaft heute nötig sind, um in einem anspruchsvollen Umfeld Landwirtschaft zu betreiben – und wie ein Hof auch nach einem schweren Brand wieder aufgebaut werden kann. Solche Besuche bringen uns nahe an die Praxis, über die wir schreiben – und sie erinnern uns daran, weshalb unser Beruf wichtig ist.
Beziehung zum IFAJ: Nairobi und Brasilien
Ein tragender Pfeiler unserer Arbeit ist die Beziehung zum Internationalen Agrarjournalistenverband IFAJ. Sie öffnet Türen zu Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern und hilft uns, Entwicklungen einzuordnen, die weit über die Schweiz hinausreichen.
Im vergangenen Verbandsjahr gehörte dazu der Weltkongress in Nairobi. Vom 15. bis 18. Oktober 2025 stand die kenianische Hauptstadt unter dem Motto «Unlocking the agricultural potential in the cradle of mankind» – ein Kongress, der Geschichte schrieb, weil der IFAJ-Weltkongress erstmals in einem ostafrikanischen Land stattfand. Auf unserer Website ist festgehalten, dass SAJ-Mitglieder für diesen Anlass erstmals vom neuen Unterstützungsfonds profitieren konnten – ein wichtiges Signal, dass wir internationale Präsenz nicht nur ideell, sondern auch ganz konkret unterstützen.
Im Frühjahr konnte ich zudem im Rahmen eines IFAJ Executive Meetings nach Brasilien reisen. Dort wurde sehr deutlich, mit welcher Wucht sich ein Land in wenigen Jahrzehnten vom Nettoimporteur zu einem der stärksten Agrarexportländer entwickeln kann – und wie eng Landwirtschaft, Welthandel, Nachhaltigkeit und öffentliche Debatte miteinander verflochten sind. Solche Erfahrungen sind für uns mehr als eine spannende Reise; sie schärfen den Blick für globale Zusammenhänge, die auch unsere Berichterstattung in der Schweiz prägen.
Auch den ENAJ möchte ich nicht unerwähnt lassen, bei dem uns Adrian Krebs vertritt. Er war unter anderem am Low Budget Trip nach Frankreich zur Messe ohne Vieh dabei. Auch dieses Jahr beim Trip nach Finnland war ein SAJ-Mitglied vor Ort.
Herausforderungen für unseren Beruf
Der Agrarjournalismus steht weiterhin in einem tiefgreifenden Wandel. Die Digitalisierung und insbesondere die Künstliche Intelligenz verändern unsere Arbeitsweisen – bei der Recherche, bei Strukturen, bei der Aufbereitung von Texten und Bildern. Diese Werkzeuge können hilfreich sein, aber sie entbinden uns nicht von unserer Kernaufgabe: sauber zu recherchieren, einzuordnen, Verantwortung zu übernehmen und eine eigene Handschrift zu bewahren.
Gerade in einer Zeit von Informationsflut, wachsendem wirtschaftlichem Druck auf Redaktionen und zunehmender Polarisierung braucht es verlässliche, fachkundige Stimmen. Wir berichten über Landwirtschaft, Ernährung und ländliche Räume – Themen, die eng mit gesellschaftlichen Zielkonflikten und politischen Entscheidungen verbunden sind. Umso wichtiger ist ein Agrarjournalismus, der weder Schönfärberei betreibt noch skandalisiert, sondern genau hinschaut und verständlich erklärt.
Mitgliedergewinnung und Weiterentwicklung des SAJ
Eine dauerhafte Aufgabe bleibt die Gewinnung neuer Mitglieder. Unser Verband lebt von Kolleginnen und Kollegen, die sich mit Fachwissen, Neugier und Freude an Diskussionen einbringen. Gleichzeitig verändert sich das mediale Umfeld rasant: Neue Formate entstehen, neue Rollen tauchen auf, und nicht jede publizistische Tätigkeit passt noch automatisch in traditionelle Raster.
Im Vorstand beschäftigen wir uns deshalb immer wieder mit der Frage, wie offen wir für neue Profile sein wollen – etwa im Bereich der digitalen Kommunikation – und wo wir gleichzeitig die fachliche Messlatte anlegen. Unser Ziel ist klar: Wir wollen neue Stimmen gewinnen, ohne den Anspruch an Professionalität und Qualität aufzugeben.
In diese Richtung zielt auch die Weiterentwicklung unserer Website. Ein klarerer Auftritt, eine besser sichtbare Rubrik «Mitglied werden» und mehr Aktualität in der Rubrik «Aktuelles» sollen dazu beitragen, dass der SAJ nach innen wie nach aussen als lebendiger, relevanter Verband wahrgenommen wird.
Dank an den Vorstand
Ein besonderes Wort des Dankes gilt meinem/unserem Vorstand. Das wurde uns im Rahmen der Revision einmal mehr vor Augen gehalten. Denn sie haben nachgefragt, ob wir gar keine Spesen abrechnen. Die Vorstandsarbeit im SAJ ist ehrenamtlich, sie geschieht in unserer Freizeit und belastet die Kasse also nicht zusätzlich. Sitzungen, telefonische Absprachen, Protokolle, die Organisation von Anlässen, die Pflege der Webseite und viele kleine und grosse Arbeiten im Hintergrund wären ohne dieses Engagement nicht möglich. Und hier möchte ich noch einmal wie schon im vergangenen Jahr mein Bedauern ausdrücken, dass wir mehrmals mahnen müssen bis der Mitgliederbeitrag überwiesen wurde.
All das ist nicht selbstverständlich. Es ist die Voraussetzung dafür, dass wir als Verband handlungsfähig bleiben, Projekte anstossen können und auch unbeliebte, aber notwendige Aufgaben zuverlässig erledigt werden. Dafür danke ich meinen Vorstandskolleginnen und -kollegen von Herzen.
Wenn ich auf das Verbandsjahr zurückschaue, dann sehe ich ein sehr solides und gehaltvolles Jahr, was in die Enthüllung des neuen Logos mündet. Wir haben ein gutes Stück Arbeit geleistet, wir haben uns ausgetauscht, wir haben neue Erfahrungen gesammelt – in Appenzell, in Hauenstein-Ifenthal, in Berlin, in Nairobi und in Brasilien.
Vor allem aber sehe ich einen Verband, der nahe an der Praxis bleibt, der den Dialog sucht und der seinen Platz im Fachjournalismus ernst nimmt. Für euer Vertrauen, eure Unterstützung und eure Bereitschaft, diesen Weg mitzugehen, danke ich euch herzlich.
Gemeinsam sorgen wir dafür, dass der SAJ auch in Zukunft eine hörbare, glaubwürdige Stimme des Agrarjournalismus bleibt.
Kirsten Müller, Präsidentin SAJ